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Ehe wir die Kirche durch das schlichte gotische Hauptportal betreten, schauen wir uns die durch den
Strümpfelbacher Künstler Karl-Ulrich Nuss 1975 gestaltete Bronzetüre an. Unter den Gerichtsengeln sind biblische Geschichten dargestellt, die uns vom Ungeist des Menschen und vom Geist Gottes sagen, so dass immer zwei
Darstellungen zusammengehören: Sündenfall - Heimkehr des Sohnes, Kain und Abel - barmherziger Samariter, Turmbau zu Babel - Pfingsten.
Beim Betreten der Kirche wird der Blick angezogen vom gotischen Chorbogen, in dem der
Kruzifixus aus dem 16. Jahrhundert hängt.
Der eigenartig rote Corpus, die Farbe wurde durch Abnahme verschiedener Schichten freigelegt, will vom Leiden und Blut Christi erzählen. Rechts die schmucklose aber gemeindenahe
Kanzel. Links der gotische Taufstein über dessen Aushöhlung Professor Fritz Nuss eine Bronzeplatte mit Taufmotiven gestaltete (Johannes der Täufer, Taufe Jesu, Versuchung Jesu, die Engel dienen ihm). In der Mitte über dem Kreuz
sieht man die Taube (Symbol des Heiligen Geistes). Zur Taufe wird an dieser Stelle eine Bronzeschale eingelegt. Prof. Nuss hat auch die Leuchter, das Kreuz und die Paramente des Altars entworfen. Wir wenden uns der Längsseite
des Kirchenschiffs mit den gotischen Fenstern zu (am besten morgens). Ganz oben sehen wir den alten Fries mit den drei Säulenhaltern. Hinten ist in Bandornamentik ein Bürger mit Schnabelschuhen zu sehen (Bedeutung unklar) und
an Chor- und Rückwand Fabeltiere und ein Hirschgeweih (Württembergisches Wappenzeichen oder von weiterem Fabeltier?). Hier nun auch findet sich im Rahmen des Großbildes die älteste Jahreszahl der Kirche 1495. An dieser Stelle
einiges zur Geschichte der Kirche. Ausführlich ist das im so inhaltsreichen Heimatbuch von Sophie Weishaar (Hauchler-Verlag) nachzulesen. Schon die ersten, die unser Tal besiedelten, waren Christen. Gab es eine Vorläuferin der
jetzigen Kirche auf dem Kapellengarten genannten Flurstück? Zur Kirche selber heißt es in einer Notiz der Pfarramtsakten 1888 lapidar: »Alter der Kirche unbekannt«. Und es ist so. Wir finden im Gemäuer keine Jahreszahl, kein
Steinmetzzeichen. Der älteste Teil ist zweifellos der Wehrturm mit Schießscharten. Es scheint glaubhaft, dass beim großen Dorfbrand 1449 auch das Kirchenschiff abbrannte und nur der Turm stehen blieb, zumal an freiliegenden
Steinen des Turms Brandspuren sich anzudeuten scheinen.
Aus einem Aufschrieb in den Pfarramtsakten: Anno 1449 in die S. Severin combusserunt Esslinges villam Strempfelbach, et effundunt mille quingentas umas Esslinges,
quoad vini abundantia magnafuit = Anno 1449 am St. Severinstag (8.Januar) brannten die Esslinger das Dorf Strümpfelbach nieder und die Esslinger schütteten 1500 Eimer Wein aus, weil der Überfluss des Weines groß war (zitiert
aus einer alten Handschrift von W. Bebion, 1885 - 1902 hier Lehrer). Auch der Baustil spricht dafür, dass das Kirchenschiff aus der Zeit danach stammt. Von der Kirchenbühne aus zeigt sich an der Turmwand die alte Giebelführung.
1495: In einer Bittschrift an das Bistum Konstanz wird um Erhebung zu einer eigenen Pfarrei nachgesucht. Bisher gehörte man lebend und tot nach dem mehr denn eine halbe Meile weit entfernten Waiblingen. Man hat hier zwar eine
Kirchen, die hat ein Glockenhaus, auch Glocken und ein Kirchhof und eine gestiftete Kaplaneipfründe. Die Frühmesserei mit Kaplan besteht seit 1335. Um 1450 erhielt der Kaplan das Recht, das Sakrament der Taufe und das der
letzten Ölung zu erteilen, also dass ein jeder Frühmesser— in Nöten uns damit versehen mag. Zu allem ändern musste man nach Waiblingen. Aber jetzt will man eine eigene Pfarrei. Aufkommen und Nahrung für einen eigenen
Pfarrherrn wird nachgewiesen. Das Gesuch "wird 1496 genehmigt. 1534 wird die Gemeinde evangelisch. Die Pfarrer seitdem werden auf den Pfarrerstafeln (jetzt in der Sakristei) festgehalten. 1784 wird die Kirche nach Norden,
dem Pfarrgarten zu, erweitert. Hinter dem Taufstein ist die Anbaukerbe deutlich sichtbar. 1905 und 1970/71 wurden Kirchenrenovierungen durchgeführt. Bei letzterer, Architekt war Gerhard Fetzer - Grunbach, wurden die Emporen
neu eingezogen, Bänke durch Stühle ersetzt und die alten Bilder der Kirche freigelegt und durch Restaurator Bohring erneuert.
1998 erfolgte eine Auffrischung des Innenraums mit Reinigung des Zehn-Gebote-Bildes und der Fresken im Chor.
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